← Reviews
Iron Maiden – Powerslave (Albumcover)
Iron Maiden

Powerslave

EMI · 1984 · 12. Juli 2026 · Review von Redaktion
Für Fans von: Judas Priest, Saxon, Dio, Mercyful Fate
9/10
Zum Album →

Vier unsterbliche Songs, drei solide und ein dreizehnminütiges Epos, das alles überragt: Warum Maidens fünftes Album trotz Längen in der Mitte bis heute ihr Maßstab ist.

Zuerst war das Cover. Derek Riggs' Pyramidentempel, in dem Eddie als Pharao thront — ein Bild, das man 1984 an die Wand hängte, bevor man die Platte überhaupt gehört hatte. Vierzig Jahre später ziert dieselbe Ikonografie noch immer Bühnen, T-Shirts und, in diesem Sommer, ein ganzes Festivalgelände in Knebworth. Nur: Das Album hätte all das nicht nötig gehabt.

Denn „Powerslave" ist der Moment, in dem Iron Maiden aufhören, eine sehr gute NWOBHM-Band zu sein, und anfangen, etwas Eigenes zu bauen. „Aces High" eröffnet mit jenem Sturzflug-Riff, das seither jedes Konzert eröffnen darf. „2 Minutes To Midnight" ist die perfekte Single: Ein Refrain, den Zehntausende brüllen können, und ein Text über Weltuntergangsuhren, der nicht albern wird. Zwischendurch gibt es sogar ein Instrumental („Losfer Words"), das niemand vermisst hätte — und trotzdem Spaß macht.

Der eigentliche Grund, warum dieses Album bleibt, steht am Ende. „Rime Of The Ancient Mariner" dauert dreizehn Minuten, vertont ein Gedicht von Samuel Taylor Coleridge und hätte auf dem Papier jede Katastrophe verdient. Stattdessen: ein Mittelteil, der in der Flaute verharrt, ein Aufbau, der sich Zeit nimmt, und ein Finale, das den Hörer nach zehn Minuten immer noch bei der Stange hält. Wer wissen will, warum Steve Harris' Songwriting mehr ist als galoppierende Bässe, hört hier hin.

Die Schwäche liegt in der Mitte. „Flash Of The Blade", „The Duellists" und „Back In The Village" sind solide, aber austauschbar — Maiden im Autopiloten, eingerahmt von vier Stücken, die Geschichte schrieben. Und Bruce Dickinsons Stimme, damals auf ihrem Höhepunkt, muss gegen eine Produktion ankämpfen, die heute dünner klingt, als sie sollte.

Egal. Was hier steht, ist die Blaupause: Historienbilder, Doppelgitarren, ein Sänger mit Opernanspruch und ein Epos zum Schluss. Iron Maiden haben das danach oft wiederholt. Besser wurde es nur selten.

{{album:iron-maiden-powerslave}}

Stärken

  • +"Rime Of The Ancient Mariner" — dreizehn Minuten, die nie durchhängen
  • +"Aces High": der vielleicht beste Opener der Bandgeschichte
  • +Bruce Dickinson auf dem Höhepunkt seiner Stimme
  • +Derek Riggs' Artwork ist selbst Popkultur geworden

Schwächen

  • Der Mittelteil — "Flash Of The Blade", "The Duellists", "Back In The Village" — klingt nach Autopilot
  • Die Produktion ist für das Material zu dünn geraten
  • "Losfer Words" ist ein Instrumental, das niemand vermisst hätte

Fazit

9/10

Kein lückenloses Meisterwerk — die Mitte hängt spürbar durch. Aber die Höhepunkte sind so hoch, dass es egal ist: „Aces High", der Titeltrack und vor allem „Rime Of The Ancient Mariner" definieren, was Heavy Metal an Ehrgeiz verträgt. Die Blaupause, an der sich Maiden bis heute messen.

Anspieltipps
Rime Of The Ancient MarinerAces High2 Minutes To MidnightPowerslave

Tracklist

8 Songs
  1. 01Aces High
  2. 022 Minutes To Midnight
  3. 03Losfer Words (Big 'Orra)
  4. 04Flash Of The Blade
  5. 05The Duellists
  6. 06Back In The Village
  7. 07Powerslave
  8. 08Rime Of The Ancient Mariner