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Megadeth – Megadeth (Albumcover)
Megadeth

Megadeth

Tradecraft / BLKIIBLK · 2026 · 12. Juli 2026 · Review von Redaktion
Für Fans von: Metallica, Testament, Anthrax, Overkill
7/10
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Nach 43 Jahren zieht Dave Mustaine den Schlussstrich — und legt ein Album vor, das handwerklich makellos ist und ausgerechnet dort strauchelt, wo es am meisten zählt: beim letzten Wort.

Es gibt Bands, die verschwinden leise. Megadeth wollten das nie. Dass die Thrash-Institution ihr siebzehntes und laut Dave Mustaine letztes Studioalbum ausgerechnet selbstbetitelt nennt, ist die größtmögliche Ansage: Das hier soll die Summe von allem sein. Vier Jahrzehnte, komprimiert auf zehn Songs plus Bonustrack.

Die gute Nachricht zuerst — und sie ist nicht klein. Diese Band hat instrumental noch immer kaum Konkurrenz. Der finnische Neuzugang Teemu Mäntysaari, dessen erste und zugleich letzte Megadeth-Platte das hier ist, spielt sich mit einer Selbstverständlichkeit ins Zentrum, die an die goldene Ära erinnert: Seine Soli haben Phrasierung, Erzählbogen, Witz. Zusammen mit dem Rhythmusgespann James LoMenzo und Dirk Verbeuren entsteht ein Klangbild, das präzise ist, ohne steril zu wirken. „Tipping Point" eröffnet zackig, „Let There Be Shred" macht dem eigenen Titel alle Ehre, und „Obey The Call" ist der Moment, in dem das Album seine Deckung verlässt und tatsächlich thrasht — der Geist von „Rust In Peace" weht hier näher als irgendwo sonst. Auch „Made To Kill" gehört zu den Stücken, bei denen alles greift.

Und doch: Ein Album, das den eigenen Bandnamen trägt, misst sich an einem gnadenlosen Maßstab. Der wird nicht durchgehend erreicht. Zu oft verlässt sich das Songwriting auf Mittelweg-Riffs und Refrains, die man kennt, weil Megadeth sie schon einmal besser geschrieben haben. „I Don't Care" will lässige Verachtung, klingt aber vor allem bemüht. Und Mustaines Stimme, jahrzehntelang das giftige Alleinstellungsmerkmal dieser Band, ist heute ihr limitierender Faktor — sie trägt, aber sie zieht die Songs selten nach oben.

Bleibt der Bonustrack. Dass Mustaine sein Karriereende mit einer Neuaufnahme von „Ride The Lightning" markiert — jenem Song, den er einst mitschrieb und der bei Metallica landete — ist biografisch schlüssig und dramaturgisch trotzdem ein Eigentor. Statt „The Last Note", jenem versöhnlichen, fast rührenden Abschiedsstück, hallt am Ende die alte Rechnung nach. Vier Jahrzehnte, und der letzte Blick geht doch wieder zum Nachbarn.

Das macht „Megadeth" nicht zu einem schlechten Album. Es ist ein solides, streckenweise starkes Spätwerk einer Band, die ihr Handwerk beherrscht wie kaum eine zweite. Nur das ganz große Ausrufezeichen, das dieser Titel verspricht, bleibt aus.

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Stärken

  • +Teemu Mäntysaari — Soli mit Phrasierung, Witz und Erzählbogen
  • +Straffe, druckvolle Produktion ohne sterile Überpolitur
  • +"Obey The Call" und "Made To Kill" sind später Thrash von echtem Format
  • +Ein Rhythmusgespann, das auf den Punkt liefert

Schwächen

  • Mustaines Stimme trägt, aber trägt die Songs nicht
  • Zu viele Mittelweg-Riffs, die Megadeth schon besser geschrieben haben
  • "I Don't Care" will lässig sein und klingt bemüht
  • Der "Ride The Lightning"-Bonustrack raubt dem Abschied seine Pointe

Fazit

7/10

Ein würdiges, aber kein monumentales Ende. Instrumental gehören Megadeth noch immer zur Oberliga, im Songwriting fehlt dem selbstbetitelten Finale der letzte Biss. Wer die Band liebt, findet hier genug — wer das große Vermächtnis-Statement erwartet hat, bleibt mit einem leisen Zweifel zurück.

Anspieltipps
Obey The CallMade To KillTipping PointThe Last Note

Tracklist

11 Songs · 47:08 Min.
  1. 01Tipping Point4:28
  2. 02I Don't Care3:09
  3. 03Hey God?!3:28
  4. 04Let There Be Shred3:58
  5. 05Puppet Parade4:40
  6. 06Another Bad Day3:37
  7. 07Made To Kill4:01
  8. 08Obey The Call4:20
  9. 09I Am War3:46
  10. 10The Last Note5:30
  11. 11Ride The Lightning (Bonustrack)6:11