
The Great Mass
Kein Metal mit Streicher-Deko, sondern Death Metal, der um ein echtes Orchester herum komponiert wurde — das Album, an dem sich alle symphonischen Möchtegerns seit 2011 messen lassen müssen.
Orchester im Metal sind meist eine Lüge. Ein paar Streichersamples über die Gitarrenspur, fertig ist die „symphonische" Platte. Septicflesh machen es umgekehrt — und genau darin liegt der Unterschied zwischen „The Great Mass" und dem übrigen Genre.
Hier wurde nicht dekoriert, sondern komponiert. Christos Antoniou, im Zweitberuf studierter Komponist, schrieb die Orchesterparts für das Prager Philharmonische Orchester und einen 32-köpfigen Chor — und zwar so, dass sie tragen, wenn man die Gitarren wegdenkt. Man hört das gleich am Auftakt: „The Vampire From Nazareth" beginnt mit Bläsern, die keine Stimmung untermalen, sondern das Thema setzen; die Band kommt dazu, nicht umgekehrt.
Was daraus entsteht, ist eine seltsame, sehr eigene Schwere. „A Great Mass Of Death" walzt, statt zu rasen. „Pyramid God" ist der Ohrwurm, den auch Leute mitnicken, die Death Metal sonst meiden. Und „Lovecraft's Death" — auf späteren Editionen — zeigt, wie weit die Band ins Filmische gehen kann. Spiros Antoniou growlt darunter mit einer Tiefe, die man als Fundament wahrnimmt statt als Gesangsleistung.
Der Preis dafür ist der Mix. Wo Orchester und Band um denselben Frequenzbereich kämpfen, verliert fast immer der Bass, und die Gitarren wirken stellenweise flacher, als sie müssten — wer diese Platte als reines Death-Metal-Album hören will, wird sie zu weich finden. Und wer mit orchestralem Pathos grundsätzlich fremdelt, sollte gar nicht erst anfangen.
Wer sich darauf einlässt, bekommt eines der wenigen Alben, in denen das Wort „symphonisch" nicht Marketing ist, sondern Handwerk. Dass ARTE die komplette Hellfest-Show der Band online stellt, ist der beste Anlass, das hier noch einmal laut zu hören.
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Stärken
- +Ein echtes Orchester, echt komponiert — kein Streichersample als Deko
- +Die Bläser setzen das Thema, die Band folgt: umgekehrte Hierarchie
- +"Pyramid God" — ein Ohrwurm, der auch Death-Metal-Skeptiker erwischt
- +Spiros Antoniou' Growls als Fundament, nicht als Effekt
Schwächen
- −Der Mix: Orchester und Band kämpfen um denselben Frequenzbereich — der Bass verliert
- −Als reines Death-Metal-Album gedacht, wirkt es zu weich
- −Wer orchestralem Pathos grundsätzlich misstraut, findet hier keinen Zugang
Fazit
Der Maßstab des symphonischen Death Metal: monumental, filmisch und handwerklich über jeden Verdacht erhaben. Nur der Mix zahlt einen Preis dafür, dass hier zwei Klangwelten gleichberechtigt auftreten wollen. Großes Kino — im besten Sinne.
Tracklist
- 01The Vampire From Nazareth
- 02A Great Mass Of Death
- 03Pyramid God
- 04Five-Pointed Star
- 05Oceans Of Grey
- 06The Undead Keep Dreaming
- 07Rising
- 08Apocalypse
- 09Mad Architect
- 10Therianthropy